25/10/2026 0 Kommentare
Gemeindepartnerschaften, die das Leben prägen
Gemeindepartnerschaften, die das Leben prägen
# Partnerschaften

Gemeindepartnerschaften, die das Leben prägen
Wie sich die Welt öffnet und jeder Ort zur Heimat wird, wenn man sich mit dem Herzen versteht
Da trafen sich zwei zur richtigen Zeit. Eine fast Achtzigjährige mit einem Leben voll von Erfahrungen und Begegnungen und mit der Bereitschaft zu erzählen. Und eine Reporterin mit viel Freude beim Fragen stellen und Zuhören. Vier Stunden verflogen bei unserem ersten Gespräch. Deshalb finden Sie im Internet eine Langversion des Interviews, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten.
Liebe Uschi, wo bist Du geboren und aufgewachsen?
Ich bin hier im Vilbeler Krankenhaus geboren. Mein Vater war ein echter Vilbeler und sein Stammbaum reicht etliche Generationen zurück, so dass meine Schwester, mein Bruder und ich hier viel weitläufige Verwandtschaft haben. Getauft wurde ich in der Auferstehungskirche: Kindergottesdienste und Konfirmation haben schon damals meine enge Beziehung zu dieser besonderen Kirche und ihrem Standort geprägt. Ich war mit vielen Jugend- und Sozialprojekten in der Gemeinde eingebunden. 1985 heiratete ich Reiner, er hatte bereits Sohn und Tochter. Die beiden haben je zwei Kinder und es gibt inzwischen zwei Urenkel.
Wie ging es mit Dir und Deiner Kirchenarbeit weiter?
Eine Zeit lang hatte ich Zweifel an meinem Glauben, ob er intensiv genug sei. 1989 kam überraschend eine Wende. Die Christuskirche hatte eine Partnerschaft mit einer Gemeinde in Venda/Südafrika wo alle zwei Jahre abwechselnd Besuche stattfanden. Ich entschied mich nach einem Gottesdienst spontan, Gastgeberin für zwei Delegationsmitglieder zu sein und nahm Urlaub, um mich intensiv um die Gäste kümmern zu können. Die beiden Männer waren sehr überzeugend und irgendwie auch missionierend für mich. Und als dann noch eine innere Stimme nicht lockerlies, wusste ich von ganzem Herzen, dass ich alles für meinen Gott machen werde, wenn ich dabei so sein kann, wie ich bin. Leider verstarb mein Mann 1991 nach schwerer Krankheit. Doch ich fand in der Gemeinde viel Unterstützung, sodass ich noch im selben Jahr in den Kirchenvorstand gewählt wurde, in dem ich dann 18 Jahre in vielen Ausschüssen und Teams mitarbeitete. Große Themen waren dabei für mich Mission, Besuchsdienste, Flüchtlingshilfe und später speziell die Partnerschaft in Süd-Indien.
Das klingt nach viel und erfüllender Arbeit – welche Hobbies hast Du denn für Dich entdeckt?
Neben der intensiven Kirchenarbeit entwickelte sich schon früh bei mir die Liebe zu den Bergen. Ich wanderte schon lange mit meinem Mann jedes Jahr in den Alpen, aber dann in den 90er Jahren musste es mehr sein. Ich erklomm mehrere 5 und 6.000er in Tansania, Nordindien, Pakistan, Nepal, Südamerika, Neuseeland und Türkei. Auch viele Radtouren führten mich weltweit in die zum Teil entlegensten Gegenden. Und immer habe ich Menschen getroffen, mit denen ich nach wie vor herzlich verbunden bin.
Wie ging Dein Lebensweg weiter?
Seit dem Besuch aus Venda gehörte ich dem Ausschuss Partnerschaft und Ökumene an. Die Schwester unseres ehemaligen Pfarrers Hans Siebert war in Süd-Indien verheiratet. Das Paar gründete ein Jungenheim, das Gründler-Hostel. Eines Tages kam ein Hilferuf: Es werden dringend Paten gesucht! Ich selbst wurde Patin und half mit, weitere zu finden. 2006 wurde ich die direkte Ansprechpartnerin zwischen den Heimen (Gründler-Hostel und später Kamuthi) und unserer Gemeinde. Die von mir organisierten „Spenden-Häuschen“ (siehe Bild) sind noch heute im Einsatz und neben den Paten- und Kollektengeldern eine wichtige Einnahmequelle.
Es war aber klar, dass ich die Heime auch persönlich kennenlernen wollte, und so flog ich 2009 erstmals nach Indien. Ich nahm damals viele Eindrücke mit, die mich prägten und die bei meinen weiteren Reisen sehr hilfreich waren. Auch lernte ich die größere Armut im Süden Indiens kennen. Die Heimleiterin in Kamuthi, Frau Thanapackiam, beeindruckt mich sehr. Sie ist trotz aller Schwierigkeiten unerschütterlich in ihrem Glauben und ihrem Tun.
Was machst Du derzeit? Da gibt es doch sicher etwas!
Na klar. Nicht nur in der Ferne, auch in Bad Vilbel ist eine weitere Familie in mein Leben getreten: Eine sechsköpfige Familie aus Eritrea ist mir inzwischen ans Herz gewachsen. Doch auch die „alten“ Kontakte mit Familien in Venda/Südafrika, in Pakistan und in Indien bestehen weiter. Sie laden mich immer wieder ein, noch einmal zu ihnen zu kommen. Alle beten intensiv für mich, für meine Gesundheit und für meinen Besuch. Für diese Gemeinschaft im Gebet bin ich sehr dankbar. Gesundheitlich ist mir ein weiterer Auslandsbesuch meinerseits zwar kaum vorstellbar, aber bei Gott ist kein Ding unmöglich! Wer weiß, wie es ausgeht.
Hast Du ein Leitmotiv für Dein Leben?
Mein Konfirmations-Spruch, Psalm 73, Vers 28. „Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte, meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn und verkündige all dein Tun.“
Was macht für Dich eine gute Welt aus?
Vor allem Frieden. Eine Welt, in der sich die Menschen achten und verstehen, in der es für alle Zugang zu Bildung und Sprache gibt und in der gerecht miteinander gelebt wird.
Ich danke Dir von Herzen für Deine Zeit und für Dein Wirken!
Gemeinsam sprachen Uschi Szczes und Antje Preiss
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