12/08/2026 0 Kommentare
Spurensuche in der Normandie (Frühjahr 2022)
Spurensuche in der Normandie (Frühjahr 2022)
# Kulturfahrten - Rückblicke

Spurensuche in der Normandie (Frühjahr 2022)
Mittelalterliche Kirchen und Burgen, Folgen von Kriegen und impressionistische Gemälde
„Eine zwar lange Busfahrt für ein verlängertes Wochenende, aber so viele Höhepunkte“ lautete das Fazit von Britta Betz, die schon häufig an den Kulturfahrten der Ev. Christuskirchengemeinde teilgenommen hatte. Bereits 2020 und 2021 war die Fahrt für die langen Himmelfahrtswochenenden geplant gewesen, konnte aber jeweils pandemiebedingt nicht durchgeführt werden. In diesem Jahr war es soweit und 28 Bad Vilbeler machten sich früh morgens mit dem Reisebus auf den Weg in Richtung Nordfrankreich. Ein sehr abwechslungsreiches Programm stand für die nächsten Tage bevor.
Ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Caen gab die Möglichkeit zur Besichtigung der enorm großen gotischen Kathedrale von Amiens. Wie in den Nachbarstädten war auch hier der Einfluss des neuen gotischen Baustils aus St. Denis nördlich von Paris maßgebend für den lichten und hohen Bau von Chor und Kirchenschiff. Die Kathedralen in Bayeux und in Rouen folgten an den nächsten Tagen.

Zunächst aber war der Himmelfahrtstag der Stadt Caen gewidmet, die in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts durch Wilhelm den Eroberer zur wichtigsten Stadt in der Normandie erkoren wurde. Zur Sicherung seines Herrschaftsanspruchs ließ der von sesshaft gewordenen Wikingern abstammende Herzog eine Burg bauen. Aber nicht nur das: Als Dank für die Legitimierung ihrer Ehe durch den Papst errichteten er und seine Frau Mathilde je eine Männer- und eine Frauenabtei mit dazugehörenden großen romanischen Kirchen. Zum Eroberer wurde Wilhelm dann durch die Durchsetzung seiner Machtansprüche in England: 1066 segelte er mit eigens gebauten Schiffen über den Ärmelkanal und besiegte Harald Godwinson bei Hastings; am Weihnachtstag wurde Wilhelm in Westminster in London zum König gekrönt. Die berühmte Schlacht wurde bereits zu seinen Lebzeiten auf ein rund siebzig Meter langes Tuch gestickt – ein außerordentliches Kunstdokument, das die Gruppe in Bayeux besichtigen konnte.

Viele Jahrhunderte später wurde Bayeux 1944 zur ersten von den Alliierten befreiten französischen Stadt, nachdem die Landung an den Stränden nördlich von Caen und Bayeux am D-Day trotz großer Verluste erfolgreich durchgeführt wurde. Die Gruppe besuchte den amerikanischen Soldatenfriedhof und Remona Nelke erkannte: „Der Widerspruch zwischen der riesigen Zahl Toter und der Schönheit und des Friedens dieses Ortes waren schwer auszuhalten.“ Sehr eindrucksvoll war auch der Besuch des D-Day-Museums in Caen. „Die
Exponate sowie das Bild - und Tonmaterial machten uns die Schrecken und den
Wahnsinn des 2. Weltkrieges nachhaltig bewusst“ sagten Uschi Hübner und Gerlinde Keller und Wolfgang Neumann ergänzt: „Der aktuelle Bezug zur Situation in Europa, der Frage der Waffenlieferungen an die Ukraine und der Diskussion um Appeasement-Politik macht diese Programmpunkte besonders wichtig für mich. Sie liefern neue Anregungen und Gedanken zu diesen aktuellen Themen.“

Vor der Männerabtei in Caen, am Omaha-Beach nahe dem Soldatenfriedhof und schließlich in der Marienkapelle der Kathedrale in Rouen gehörten zum Teil von den Teilnehmenden selbst gestaltete Andachten wie immer zum Reiseprogramm. „Unser ganz persönliches Highlight war die besondere Möglichkeit unserer Andacht in der Kathedrale Notre-Dame“ merkten hierzu Thomas und Jule Kester mit ihrer Tochter Joana Pereira an.
Zum Abschluss gab es am Rückfahrts-Sonntag noch einen Abstecher nach Giverny zu Haus und Gärten, die Claude Monet dort ab 1883 anlegen ließ – trotz der vielen anderen Touristen und dank der frühen Besuchszeit mit Öffnung des Museums ein besonderer Abschluss am oft gemalten Seerosenteich. Wie immer geleitet von Pfarrer Klaus Neumeier kam die Bad Vilbeler Reisegruppe am späten Sonntagabend sehr zufrieden wieder in Bad Vilbel an.

Lutz Rosenkranz
Kommentare