Einblicke in unsere Indien-Arbeit

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# Partnerschaften

Einblicke in unsere Indien-Arbeit

Hilfe zur Selbsthilfe – Vertrauen und Chancengleichheit als Grundlagen unserer gemeinsamen Zukunft

Die Diözese Amritsar der Church of North India ist seit langem verpartnert mit den EKHN-Dekanaten Wetterau und Gießen. Als der frühere Bad Vilbeler Pfarrer Konrad Schulz die Wetterauer Profilstelle für Ökumene übernahm, begeisterte die Mitglieder seines Bad Vilbeler Hauskreises für die indische Partnerschaft. Lesen Sie im Folgenden ein Interview mit dem Hauskreismitglied Dr. Reinhard Walter

Lieber Reinhard, zunächst einmal mein herzliches Dankeschön, dass Du Dir in Deinem vollen Berufs- und Familien-Alltag die Zeit für unser Interview nimmst. Magst Du uns Deine bisherigen Lebensstationen in wenigen Sätzen beschreiben?

Ich bin 1951 in Helmstedt geboren. Mit meiner Frau Gaby habe ich zwei erwachsene Kinder und drei Enkel. Ab 1977 arbeitete ich in verschiedenen Industrieunternehmen, wobei die fünf Semester Chemiestudium wichtiger waren als die Promotion in Steuerlehre. Mit unserem vierten Umzug erreichten wir 1990 Bad Vilbel, fast neben der Christuskirche, und so kamen wir schnell über die Kinder in einen sehr regen Kontakt mit der Gemeinde. Natürlich wurden wir dann auch selbst aktiv und gingen zum Beispiel in einen Hauskreis, dem wir trotz verschiedener Umzüge immer noch treu sind und der sich gerne auch ab und an bei uns daheim in Hanau trifft.

Wie kam es zu Deinem Engagement für Nordindien – speziell Amritsar?

2005 lernte ich beim Erntedank-Gottesdienst in Bad Vilbel Bischof Dr. Pradeep Samantaroy, den wir als „Bunu“ schätzen, kennen. Als wir 2007 im Hauskreis online eine Bibelarbeit mit den Mitgliedern der Diözese Amritsar in Nordindien machten, wurde der Wunsch größer, die Zusammenarbeit zu vertiefen. Uns wurde schnell klar, dass wir die langjährige Partnerschaft der Dekanate Friedberg und Gießen stärker um persönliche Kontakte erweitern wollten: Unser Ziel war es, die Gemeinden zusammenzubringen und gemeinsam Hilfe vor Ort für die Menschen zu leisten. 2009 begann diese Zusammenarbeit, in den folgenden Jahren besuchten wir uns in verschiedenen Gruppenzusammenstellungen gegenseitig. 

Woran arbeitet Ihr aktuell?

Mittlerweile sind in Amritsar mehr als 400 Familien in Genossenschaften tätig und es werden systematisch neue Dörfer in unsere Projekte mit Dalit-Kleinunternehmern einbezogen. Ein neues Projekt „Turning Point“ soll Drogenabhängige bei der Befreiung von Sucht unterstützen (medizinische Versorgung, Ausbildung im Handwerk). Das Ziel unserer Projektarbeit ist es, neue Ansätze zu unterstützen, die von den indischen Partnern selbst weiterentwickelt werden können.

Außerdem unterstützen wir die Fertigstellung des Besucherzentrums der Diözese in Amritsar, wo jetzt auch unsere Reisenden bequem übernachten können und so enger bei den Freunden sind. Wir führen die Bibelarbeiten mit den langjährigen Freunden weiter und hoffen den seit Ostern neuen Bischof für diese Kooperation zu begeistern. Wir wollen dringend Kontakt zu neuen Mitarbeitern in Indien aufbauen und gleichzeitig die gute Zusammenarbeit mit unseren langjährigen Freunden noch weiter vertiefen.  

Derzeit bewegt uns die Frage, wie unser christlicher Glaube Impulse geben kann, auch in unserem eigenen Umfeld friedliche Beiträge zu liefern. Dies sollte den Frieden zu unseren Nächsten und auch unser Verhältnis zu Gott beinhalten.

Hast Du neben dem christlichen Engagement ein besonderes Hobby?

Meine ganze Familie lebt glücklicherweise hier in der Nähe von uns. Gleichzeitig lässt mir mein noch immer voller beruflicher Terminkalender kaum Raum für Hobbies. Allerdings ist mein bis vor zehn Jahren voller internationaler Reisekalender nur noch sporadisch beruflich geprägt und somit gibt es mehr private internationale Reisen. Eine Tradition haben wir mit der ganzen Familie in den letzten 12 Jahren aufgebaut: Wir treffen uns fast jedes Wochenende und gehen gemeinsam Essen, sehr oft probieren wie Neues aus – neue Orte und auch unterschiedlichste Zubereitungen und Geschmacksrichtungen.

Was bedeutet für Dich Nächstenliebe?

Die Bergpredigt bedeutet mir sehr viel und gibt mir auch viel Kraft. Das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ fasst für mich alles zusammen. Für mich wichtige Begriffe sind Wohlwollen, Freundschaft, Solidarität, Freundlichkeit, Güte und auch Kameradschaft.

Das führt mich gleich zur nächsten Frage: Warum lohnt es sich, sich für eine bessere Welt einzusetzen?

Ich bin eher positiv veranlagt und suche gerne konstruktive Lösungen. Dies gilt auch dann, wenn die Probleme überhandnehmen. Mein Vertrauen in Gottes Führung hat mir häufig geholfen, wenn ich lieber „im Boden versunken“ wäre. Ich glaube und hoffe, dass positive Beispiele immer einige Zuschauer nachdenklich machen oder gar mitreißen. Jedes positive Beispiel bietet die Chance, einen Nachahmer zu begeistern. Ich träume von einer Welt mit weniger einengenden Regeln, die ja doch oft nur den Interessen spezieller Gruppen dienen. 

Und wie sieht diese bessere Welt für Dich aus – was müsste es dort geben?

Es sollte mehr Gerechtigkeit geben: Wichtige Leistungen für unsere Gemeinschaft und Schöpfung müssen mehr anerkannt und auch gerecht bezahlt werden. Faire Regeln und ein Ausgleich von Mangelsituationen sollten unser Gemeinwesen zwar strukturieren, aber nicht mehr als nötig einengen. Wenn wir andere Ansichten respektieren und unsere individuellen Bedürfnisse gegenseitig anerkennen, wäre das eine gute Basis für unser Zusammenleben. Wir sollten uns gegenseitig unterstützen, einfach weil wir es gerne machen.

 

Ich danke Dir von Herzen für das Interview und für Dein Wirken!

Gemeinsam sprachen Reinhard Walter und Antje Preiss

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